Date: 11 Apr 2007

What do Pictures Want? The Lives and Loves of Images

W. J. Thomas Mitchell: .
Chicago/London: The University of Chicago Press 2005,
ISBN: 978-0-226-53248-6, Cloth Spring 2005, 35 USD / Paper Fall 2006, 22.50 USD

Reviewer:
Christiane Kruse

http://www.arthist.net/DocBookD.html

“Im dritten Teil „Media“ geht es Mitchell um eine Reversion des Medienbegriffs (III/10). An die Stelle von „understanding media“ (McLuhan) setzt Mitchell „addressing media“ und meint damit, dass Medien keine logischen Systeme sind, sondern „environments where images live, or personas and avatars that address us and can be addressed in turn“ (203). Statt Medien theoretisch, in Metasprachen, zu verankern und, wie Systemtheorie und Semiotiken glauben machen, eine neutrale Perspektive einzunehmen, schlägt Mitchell den entgegengesetzten Weg vor: Die Annahme lautet, dass keine Medientheorie sich über Medien erheben kann. Gefordert, so Mitchell, seien Formen von alltagssprachlichen Theorien, die in Medienpraxen eingebettet sind. Diese seien anhand von Metabildern zu fassen. Statt einer Auseinandersetzung mit Metabildern folgen zunächst zehn Thesen, die den Spezialisten entweder lange bekannt sind (etwa These 5: All media are mixed media), oder sich von gängigen systemtheoretischen Ansätzen deutlich absetzen (These 9 und 10). In These 9: The media have no address and cannot be addressed, lautet die Annahme, dass alle Medien Räume sind, in denen Botschaften und Repräsentationen zirkulieren. Medien sind in uns und außerhalb von uns, sind das, in dem wir leben, uns bewegen und unser Sein haben (216). Mitchell unterscheidet zwei Formen von „media address“, eine figürliche, die dem Medium ein Gesicht und einen Körper gibt (Avatar), und eine räumliche, einen Artikulationsort oder -raum. Medien adressieren uns demnach mit und als Bilder (images) von Räumen oder Körpern und produzieren in uns alle Ambivalenzen, die wir mit Bildern (images) assoziieren. Mitchell exemplifiziert sein Modell am Beispiel der drei Medien-Avatare in Cronenbergs „Videodrome“, die die vier festgelegten Komponenten jedes Mediensystems personifizieren (Botschaft, Code, Empfänger und Verkörperung), aber derart vertauschen bzw. neu verkabeln, dass sie die radikale Instabilität des traditionellen Medienkonzepts sichtbar machen. Mitchell folgert aus diesem Befund, dass Medientheorie in der Mitte der Medien selbst zu suchen sei. Hier sei der Ort einer Theorie als einer eigenen Alltagssprache (vernacular), fest verbunden mit einer sich selbst reflektierenden Praxis (221). Dies kann mit gleichem Recht für eine Bildtheorie der Kunst geltend gemacht werden, an die Mitchell sich nicht wirklich heranwagt.”

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